Jetzt einfach mit dem Aquarell Malen starten

April 26, 2019
Category: TIPPS & TRICKS

Hier siehst Du Schritt für Schritt wie Du einfach mit dem Aquarell Malen beginnen kannst. Ich zeige Dir die ersten Schritte an einem lebendigen Motiv.

Glaube einfach nicht, dass das Malen mit Aquarellfarben so kompliziert ist. Die Farben sind wasserlöslich, einfach zu mischen und Du kannst sie überall mitnehmen. Lass Dich erst einmal von den wunderbaren Aquarellen, die es so gibt, nicht beeindrucken, sondern inspirieren. Denk dran: kein Künstler steht morgens auf und kann perfekt malen. Es ist viel Übung, dass kann ich Dir aus eigener Erfahrung bestätigen.

Das Aquarell-Malen ist etwas für Genießer, für lebendige, mutige Maler. Nichts für Kontrollfreaks und Ausmaler. Genieße, wie sich die Farben im Wasser mischen und neue Bilder, mit denen Du vielleicht so nicht gerechnet hast, entstehen. Let it flow!

Aber Du hast große Lust Aquarell zu malen und weißt nicht genau, wo Du anfangen sollst. Hier natürlich! In diesem Artikel findest Du Tipps für das erste Material, eine kleine Anleitung und viel Inspiration.

Ich bin viel auf Reisen, ob auf dem Kreuzfahrtschiff oder für Malreisen und habe mein Aquarell Material immer dabei.

Fangen wir einfach mit dem Material an!

Oberste Regel: bitte, bitte keinen billigen Ramsch kaufen. Kein All-in-one-Paket aus dem Supermarkt oder dem Online-Shop, Du wirst es bereuen. Damit Du im Künstlermaterial-Dschungel eine Hilfe hast, habe ich Dir eine kleine Materialliste mit der Du sofort starten kannst, zusammen gestellt:

  • Aquarell-Pinsel Nr. 10
    Gute Aquarellpinsel sind aus echtem Kolinsky-Marderhaar oder aus sehr guten Synthetischen Fasern. Starte gerne mit einem synthetischen Pinsel, sie sind sehr gut! Gute Pinsel machen da Vinci, artisti, lineo
  • Aquarell-Farbkasten
    Entweder Du kaufst einen fertigen Kasten (z.B. von Schmincke oder Winsor & Newton). Bitte achte darauf, dass es wirklich Aquarell-Farben sind und keine Wasserfarben wie in der Schule.
    Du kannst Dir auch einfach einen leeren Kasten aus Plastik kaufen (gibt es im Künstlerbedarf) und Dir Deine eigenen Farben aussuchen.
    Achtung: Du brauchst kein weiß und schwarz!
  • Aquarell-Papier
    Da das Aquarellmalen immer beliebter wird, gibt es viele unterschiedliche Papiersorten und unterschiedliche Formen, in denen Du das Papier kaufen kannst. Es gibt Aquarellpapier auf Rollen (vielleicht für später …), als große einzelne Bögen, als rundrum geleimte Blöcke und als Aquarell-Skizzenbücher.
    Ich persönlich nutze alle Arten von Papierformen, je nachdem, wie groß mein Bild werden soll oder ob ich unterwegs bin. Immer habe ich mein Aquarell-Skizzenbuch von Hahnemühle dabei. Es ist ein wunderbares Papier und in unterschiedlichen Größen erhältlich. Die klassischen Skizzenbücher von Moleskin sind natürlich auch gut, aber auch etwas teurer.
    Am besten besorgst Du Dir einen rundrum geleimten Aquarellblock im Format ca. DIN A3, also 29,7 x 42 cm.  Oder eine andere Größe, die Dir zusagt. TIPP: werde nicht zu klein oder zu groß! Mich haben große Formate am Anfang etwas eingeschüchtert.
    Das Aquarellpapier kannst Du in verschiedenen Oberflächen kaufen: matt, rauh, torchon oder satiniert. Fühl einfach über die Oberfläche und entscheide dann. Ausnahmen: Torchon Papiere, sie haben eine sehr stark gewellte Oberfläche und satinierte oder „hot pressed“ Papiere, sie sind total glatt. Beide Papiere sind durch ihre dominante Oberfläche eher für erfahrene Aquarellisten.
    Ich empfehle Dir ein rauhes Papier wie beispielsweise das Hahnemühle Akademie Aquarell Britannia matt.
  • Außerdem: ein paar Kosmetiktücher (kein Wisch-und-Weg, sie haben eine Struktur), ein altes Tuch, ein Wasserpot, Tinten-Fineliner 0,3 (z.B. von Faber-Castell), Bleistift, Radierer.

Wie fange ich nur an?

Eine Frage, die mir in meinen Workshops immer wieder gestellt wird. Ich habe hier als Beispiel einen Waldweg in Aschau am Chiemsee gewählt. Es war sehr warm, die Sonne schien und wir suchten einen Platz im Schatten. Kannst Du die Person auf der Bank am Ende des Weges sehen? Eine Teilnehmerin hatte es sich hier ausgeruht.
Du kannst entweder direkt vor dem Motiv stehen/sitzen, so wie ich hier oder Du machst einfach ein Foto für Deine Motivsammlung. Vom Foto malen fällt den meisten leichter.

Aber egal wie, so habe ich das Bild aufgebaut:

  1.  Da ich mit der Malgruppe unterwegs war, hatte ich mein Aquarell-Skizzenbuch mit.
  2. Erst eine lockere, ganz helle Bleistiftskizze – weniger ist mehr. Hab den Mut einfach so ungefähr das Motiv zu malen. Es geht um Deine Sicht auf das Motiv.  Ich habe nur den Weg mit den Bäumen angedeutet, skizziert und den Ort für die Bank, damit ich hier eine weiße Fläche lassen kann.
  3. Um die wichtigen Linien zu markieren habe ich sie mit einem Fineliner (locker!) nachgezogen.
  4. Und jetzt etwas nachdenken, die Farben analysieren: Was ist die hellste Farbe? Damit beginne ich immer. Da der Waldweg uns tiefen Schatten gegeben hat, wollte ich den Kontrast zwischen Licht (Sonne) und Schatten darstellen. Die hellste Farbe ist somit das Weiß des Papiers und das helle Grün der Wiesen und Büsche.
  5. Und jetzt tief durchatmen, mutig sein und loslegen!
    Zuerst das helle Grün, ich habe es mit ganz viel Wasser angelegt. Dann bin ich dunkler geworden und habe die erste Schicht der Bäume rechts und links gemalt. Mit gaaaaanz viel Wasser!
    TIPP: Ruhig auch einmal mit dem Pinsel etwas klecksen, so wie am oberen Bildrand, das macht das Bild sehr lebendig.
  6. Schaffe viel Kontrast, damit das Bild lebendig wird. Und dann den lila Schatten nicht vergessen, ziehe ihn über den Weg in die Bäume hoch. Dadurch bekommt das ganze Bild einen Zusammenhang. Der Schatten verbindet alle Elemente des Bildes.
  7. Vielleicht sieht es jetzt etwas chaotisch aus – aber lebendig! Jetzt male, vielleicht mit einem feineren Pinsel einige wenige Details: den Zaun im Vordergrund, die Bank mit der Person im Hintergrund. Vielleicht noch einige Kleckser …

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Und jetzt Du!

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